Im Jahr 2000 bekamen wir einen kleinen Parson-Russell-Welpen. Er war weiß mit braunen Ohren und einem kleinen braunen Fleck auf dem Kopf. Noch nie hatte ich einen Hund und dann jetzt einen Welpen. Ich kam mit dem kleinen, neun Wochen alten Kerl nach Hause, und er rannte gleich tapsig die Treppen hinauf. Der Kommentar meiner Freundin, mit der ich in einer Wohngemeinschaft lebte, war: „Uih, was kommt denn da für ein süßes Ferkelchen?“ Sein Fell schimmerte rosa, und er roch nach Welpe. Wir haben Tierheime besucht und dort nach Hunden geschaut. Besonders gute Erfahrungen haben wir zu dieser Zeit nicht gemacht. Heute sieht das anders aus, denn später kam Kelly aus einem Tierheim zu uns, davon aber in einer weiteren Geschichte.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was ich mir da ins Haus geholt hatte. Einen kleinen Draufgänger, Temperamentsbolzen, ein Sensibelchen und in manchen Situationen ein ängstliches Etwas. Er liebte alle Menschen und auch alle anderen Hundekumpels, bis auf Windhunde und einen Dackel in der Nachbarschaft, der meinte, ihn ständig anbellen zu müssen. Im Dorf war Jakko bald bekannt wie ein bunter Hund, und die Kinder unserer Vermieter liebten ihn auch über alles. Katzen waren nicht so sein Ding. Vor denen hatte er zeitlebens großen Respekt.
Schnell merkten wir, dass wir nicht wussten, wie wir den Kleinen erziehen sollten. Wir wollten doch einen Hund, der nicht auf die Jagd geht, der auf uns achtet und an unserer Seite bleibt. Also suchten wir Hilfe bei Hundetrainern, da gibt es ja solche und solche, wie wir feststellen mussten. Ich las sehr viel über Hundeerziehung, Hundesprache und allgemein über Hunde. Und ich glaube, wir haben ihn auch ganz gut hinbekommen. Der Rückruf war nach kurzer Zeit kein Problem mehr. Jagen ging gar nicht und er wurde auf einen Satz konditioniert: Der Wald ist Pfui.
Die Leute, die das hörten, hatten ihren Spaß daran, und Jakko reagierte darauf. Eines Tages kreuzte ein Hase unseren Weg, ich rief nur: „Der Wald ist Pfui!“, und Jakko legte eine Vollbremsung hin, die Schottersteine spritzten, und unser Jakko stand wie angewurzelt da. Der Hase war zwischenzeitlich über alle Berge. Ja, und dann kam die Pubertät, und er hatte alles vergessen. Jakko!!!! Er war in dieser Zeit selbstmordgefährdet, rannte auf die Hauptstraße und hatte alle Manieren im Feld vergessen. Also durfte er erst mal nicht mehr von der Leine. Allerdings behielt er ein Hobby bei. Die Nachbarskinder klingelten mit der Frage: „Kommt Jakko mit zum Fußballspielen?“ Er durfte dann, aber nur zehn Minuten, denn Jakko kannte kein Ende, und er wäre wahrscheinlich irgendwann vor Erschöpfung umgefallen. Als die Zeit der Pubertät vorbei war, oh Wunder, war Jakko wieder der Hund von vorher.
Jakko wickelte selbst meine Mutter, die absolut keine Hunde mochte, um den Finger. Sie war dann die erste, die ihm ein Weihnachtsgeschenk kaufte. Und als sie krank wurde, war ihr Jakko sehr wichtig. Bei jedem Besuch fragte sie: „Wo ist Jakko?“ und erst wenn sie wusste, Jakko lag unter ihrem Bett, war sie beruhigt. Im Teich im Garten unseres Hauses schwammen kleine Quietscheentchen, und Jakko war damit beschäftigt, diese an Land zu angeln.
So ging ein Jahr nach dem anderen ins Land. Wir hatten sehr viel Spaß mit Jakko. Er entwickelte sich zu einem aufmerksamen kleinen Begleiter. Wir machten eine Besuchshundeausbildung. Er bellte kaum und wenn, dann war etwas Außergewöhnliches passiert. Mit neun Jahren bekam er Epilepsie, die wir aber durch Medikamente gut in den Griff bekamen. Leider bekam er mit 15 Jahren eine beginnende Demenz. Er wurde orientierungslos, rannte nachts herum und lief häufig beim Spazierengehen einfach nur im Kreis. Irgendwann fiel es ihm schwer zu fressen, wusste nichts damit anzufangen, und auch das Trinken wurde immer schwieriger. Irgendwann kam dann der Tag, an dem wir ihn mit 16 Jahren über die Regenbogenbrücke gehen lassen mussten. Danach mussten wir erst einmal eine Pause vom Hund haben, wir hätten jeden mit Jakko verglichen. Das wollten wir nicht. Und unser nächster Hund sollte dann ein Hund aus dem Tierschutz werden.